Pflege Saum mit Graben
Gewässerordnung beachten
Abstand zur Böschungoberkannte
Gräben und Vorfluter erfüllen in unserer Kulturlandschaft in Schaumburg eine lebenswichtige Aufgabe: Sie sichern den geordneten Wasserabfluss, halten die Dränagen der landwirtschaftlichen Flächen funktionstüchtig und schützen uns vor Hochwasser. Gleichzeitig bilden sie zusammen mit den angrenzenden Grassäumen die wichtigsten „blau-grünen Bänder“ für den Artenschutz. Hier finden Amphibien, Libellen und seltene Pflanzen ihren letzten Rückzugsort.
Eine rein technische, radikale Blankräumung zerstört diesen Lebensraum im Handumdrehen. Unser Ziel ist eine ökologische Grabenpflege, die beides leistet: absolute Abflusssicherheit und lebendige Vielfalt.
Unsere Grundsätze für die Praxis
Um den Wasserabfluss bei Starkregen zu garantieren, ohne die Natur zu vernichten, setzen wir auf ein differenziertes, schonendes Pflegekonzept:
1. Sohle frei, Böschung grün
Ein Vorfluter muss leistungsfähig bleiben. Deshalb gilt: Die Grabensohle (der tiefste Punkt) muss von blockierendem Bewuchs, Erlen- oder Weidenaufwuchs und starken Sedimentablagerungen befreit werden.
Die Böschungen (Ufer) hingegen brauchen die schützende Vegetation! Die Wurzeln von Gräsern und Wildkräutern halten die Erde zusammen. Wird hier zu tief gebaggert oder alles kahl geschoren, reißt die Grasnarbe auf. Die Folge: Bei der nächsten Flutwelle bricht die Böschung ein, Erde rutscht in den Graben, und der Vorfluter verlandet noch schneller. Die Vegetation ist der beste, natürliche Erosionsschutz.
2. Die „Schnitt-für-Schnitt“-Methode (Abschnittsweise Mahd)
Wir räumen niemals einen gesamten Grabenabschnitt auf einmal komplett leer. Stattdessen arbeiten wir im Rotationsprinzip:
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In einem Jahr wird nur die eine Böschungsseite gepflegt, im Folgejahr die andere.
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Oder es werden gezielt Abschnitte von einigen Metern als Schutzstreifen unberührt gelassen.
So finden Insekten, Amphibien und Fische immer einen sicheren Rückzugsraum und das Samenpotenzial für das nächste Jahr bleibt erhalten.
3. Absolutes Schlegel-Verbot am Gewässer
In der modernen Gewässerunterhaltung hat das „Schlegeln“ (Mulchen) nichts mehr zu suchen. Wenn zerschnetzeltes Gras in den Vorfluter fällt, verrottet es im Wasser unter extremem Sauerstoffverbrauch. Das Wasser kippt um, Fische und Larven ersticken. Zudem führt das liegengelassene Material zu einer massiven Überdüngung der Böschung – im nächsten Jahr wachsen dort meterhohe Brennnesseln und Disteln noch schneller in den Abfallquerschnitt.
Wir fordern den konsequenten Einsatz von schonenden Mähkörben oder Auslegemähern mit direktem Krautabtransport aus dem Grabenbereich (Aushagerung).
Größere Krautungen und Räumungen gehören zum Schutz der Tierwelt ausschließlich in den Spätherbst (ab Oktober/November). Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Amphibien und Insekten ihre sensiblen Entwicklungsphasen im Wasser abgeschlossen und die Brutzeiten der Vögel sind lange vorbei.
Ein neuer Nachbar im Landkreis: Der Biber ist zurück in Schaumburg!
Schon gewusst? Der Biber ist in Schaumburg kein seltener Gast mehr – er ist wieder flächendeckend zu Hause.
Ob an unseren Auen, kleineren Zuflüssen oder zentralen Vorflutern: Seine Reviere erstrecken sich mittlerweile über das gesamte Kreisgebiet. Als „Ökosystem-Ingenieur“ schafft er durch seine Dynamik wertvolle neue Lebensräume für den Artenschutz und hilft, Wasser in der Landschaft zu halten.
Weil er bei uns im Landkreis so häufig vorkommt, ist ein professionelles, sachliches Konfliktmanagement an unseren Gräben und Wirtschaftswegen wichtiger denn je.





